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Die echte Grippe kann vor allem für ältere Menschen, für Schwangere und für Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen gefährlich werden. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt diesen Gruppen deshalb jedes Jahr eine Grippeimpfung. Wir fassen zusammen, für wen die Empfehlung gilt, wann der beste Zeitpunkt ist und was in der Saison 2026/2027 neu ist.

Für wen empfiehlt die STIKO die Grippeimpfung?

Die Grippeimpfung ist in Deutschland keine Impfung für alle. Die STIKO empfiehlt sie gezielt Menschen, bei denen das Risiko für einen schweren Verlauf erhöht ist. Dazu gehören:

  • alle Personen ab 60 Jahren,
  • Schwangere ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel, bei einer zusätzlichen gesundheitlichen Gefährdung durch eine Grunderkrankung bereits ab dem ersten,
  • Kinder, Jugendliche und Erwachsene ab sechs Monaten mit bestimmten chronischen Grunderkrankungen,
  • Menschen mit angeborener oder erworbener Immunschwäche,
  • Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen,
  • Menschen, die engen Kontakt zu besonders gefährdeten Personen haben und für sie zur Infektionsquelle werden könnten,
  • bestimmte Berufsgruppen, etwa medizinisches Personal oder Tätigkeiten mit viel Publikumsverkehr,
  • Menschen mit häufigem, regelmäßigem und direktem Kontakt zu Geflügel, Wildvögeln, Schweinen oder Robben.

Zu den Grunderkrankungen zählen zum Beispiel chronische Erkrankungen der Atemwege, des Herz-Kreislauf-Systems, der Leber oder der Nieren, außerdem Diabetes und andere Stoffwechselerkrankungen sowie bestimmte neurologische Erkrankungen.

Die letztgenannte Gruppe mit Tierkontakt ist eine neuere Ergänzung. Hintergrund ist, dass eine gleichzeitige Infektion mit saisonalen und tierischen Influenzaviren vermieden werden soll. Wichtig zu wissen: Die saisonale Grippeimpfung schützt nicht vor der Vogel- oder Schweinegrippe.

Für Kinder und Jugendliche mit Grunderkrankungen hat die STIKO ihre Empfehlung im September 2026 ausdrücklich bekräftigt, weil diese Gruppe bislang selten geimpft wird.

Und wenn ich zu keiner dieser Gruppen gehöre?

Dass die STIKO die Impfung nicht allgemein für gesunde Erwachsene unter 60 Jahren empfiehlt, heißt nicht, dass sie davon abrät. Ob eine Impfung für Sie persönlich sinnvoll ist, lässt sich in der Arztpraxis besprechen.

Wann ist der beste Zeitpunkt für die Grippeimpfung?

Die STIKO empfiehlt die Impfung im Herbst. Als günstigen Zeitraum nennt das Robert Koch-Institut Oktober bis Mitte Dezember. Nach der Impfung dauert es etwa zehn bis vierzehn Tage, bis der Schutz vollständig aufgebaut ist.

Wer diesen Zeitraum verpasst, ist nicht automatisch zu spät dran. Auch zu Beginn oder im Verlauf einer Grippewelle kann eine Impfung noch sinnvoll sein, denn wann eine Welle beginnt und wie lange sie dauert, lässt sich nicht zuverlässig vorhersagen.

Warum wird jedes Jahr neu geimpft, und was ist 2026/2027 anders?

Influenzaviren verändern sich fortlaufend. Referenzlabore beobachten weltweit, welche Varianten gerade umlaufen. Auf dieser Grundlage wird jedes Jahr festgelegt, gegen welche Varianten die Impfstoffe der kommenden Saison ausgerichtet werden. Deshalb wird die Impfung jährlich empfohlen.

In der Saison 2026/2027 werden in Deutschland dreifach wirksame Impfstoffe eingesetzt. Sie richten sich gegen zwei Influenza-A-Varianten und eine Influenza-B-Variante. Die Besonderheit dieser Saison: Gegenüber dem Vorjahr wurden alle drei Bestandteile ausgetauscht. Das Paul-Ehrlich-Institut hat die Anpassung abgeschlossen und im August 2026 die ersten Chargen freigegeben.

Die einzelnen Virusbezeichnungen muss man sich nicht merken. Entscheidend ist, dass der Impfstoff jedes Jahr neu auf die erwarteten Varianten abgestimmt wird.

Welcher Impfstoff wird ab 60 Jahren empfohlen?

Mit zunehmendem Alter reagiert das Immunsystem oft schwächer auf Impfungen. Für Menschen ab 60 Jahren empfiehlt die STIKO deshalb entweder einen Hochdosis-Impfstoff oder einen Impfstoff mit Wirkverstärker. Beide sollen eine stärkere Immunantwort auslösen, und die STIKO hält sie für gleichwertig.

Wenn diese Impfstoffe aus medizinischen Gründen nicht infrage kommen, kann unter bestimmten Voraussetzungen auch ein Standardimpfstoff verwendet werden. Was im Einzelfall passt, entscheidet die Arztpraxis.

Wie gut schützt die Grippeimpfung?

Einen hundertprozentigen Schutz gibt es nicht. Wie gut die Impfung in einer Saison wirkt, hängt unter anderem davon ab:

  • welche Virusvarianten tatsächlich umlaufen,
  • wie gut diese zu den Bestandteilen des Impfstoffs passen,
  • wie alt die geimpfte Person ist,
  • wie das Immunsystem arbeitet und welche Infektionen oder Impfungen vorausgegangen sind.

Eine Influenza ist also trotz Impfung möglich. Studien zeigen aber, dass eine Erkrankung bei geimpften Menschen milder und mit weniger Komplikationen verlaufen kann als bei ungeimpften.

Welche Impfreaktionen sind möglich?

Die Grippeimpfung wird nach Angaben des RKI in der Regel gut vertragen. Vorübergehend können auftreten: Schmerzen, Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Muskel- oder Gliederschmerzen, Frösteln oder leichtes Fieber. Solche Reaktionen klingen meist innerhalb von ein bis zwei Tagen ab.

Bei Hochdosis-Impfstoffen und bei Impfstoffen mit Wirkverstärker treten solche Reaktionen etwas häufiger auf als bei Standardimpfstoffen.

Grippeimpfung in der Schwangerschaft

Eine Schwangerschaft gehört ausdrücklich zu den Situationen, für die die STIKO die Impfung empfiehlt. Für gesunde Schwangere gilt die Empfehlung ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel, bei einer zusätzlichen gesundheitlichen Gefährdung durch eine Grunderkrankung bereits ab dem ersten. Verwendet werden Totimpfstoffe.

Wann sollte die Impfung verschoben werden?

Ein leichter Infekt spricht nicht gegen eine Impfung. Nach den Hinweisen der STIKO sind banale Infekte mit Temperaturen bis 38,5 °C kein Grund zu warten.

Bei einer fieberhaften Erkrankung ab 38,5 °C oder einer schwereren akuten Infektion sollte die Impfung dagegen verschoben und nach der Genesung nachgeholt werden. Bei bekannten schweren Allergien gegen Bestandteile eines Impfstoffs muss individuell geprüft werden, welcher Impfstoff geeignet ist.

Wo kann ich mich impfen lassen?

Geimpft wird in der Arztpraxis, meist in der Hausarztpraxis. Dort wird auch entschieden, welcher Impfstoff zu Ihnen passt und ob weitere Impfungen anstehen. Bringen Sie Ihren Impfpass mit, dann wird die Impfung direkt eingetragen.

Wir sind an der Versorgung ebenfalls beteiligt: Wir beliefern Arztpraxen mit Impfstoffen. Und wenn Sie vorab etwas zu Ihren Medikamenten oder zum Ablauf wissen möchten, sprechen Sie uns einfach an.

Dieser Artikel gibt einen allgemeinen Überblick über die Empfehlungen der STIKO. Ob eine Impfung in Ihrem Fall sinnvoll ist und welcher Impfstoff für Sie geeignet ist, besprechen Sie am besten in Ihrer Arztpraxis.

Häufige Fragen

Kann die Grippeimpfung selbst eine Grippe auslösen?

Nein. Für Erwachsene werden Totimpfstoffe verwendet, die keine Influenza auslösen können. Vorübergehende Müdigkeit, Kopf- oder Gliederschmerzen sind Impfreaktionen, keine Grippe. Für Kinder und Jugendliche von 2 bis 17 Jahren steht unter bestimmten Voraussetzungen zusätzlich ein abgeschwächter Lebendimpfstoff als Nasenspray zur Verfügung.

Warum bekomme ich trotz Impfung einen Atemwegsinfekt?

Husten, Schnupfen und Halsschmerzen können von vielen verschiedenen Viren kommen. Eine gewöhnliche Erkältung, oft grippaler Infekt genannt, ist etwas anderes als eine Influenza. Die Grippeimpfung richtet sich nur gegen Influenzaviren.

Kann ich Grippe- und Corona-Impfung am selben Termin bekommen?

Wenn beide Impfungen empfohlen sind, ist eine gleichzeitige Gabe nach Angaben des RKI grundsätzlich möglich. Die Spritzen werden dann an unterschiedlichen Körperstellen gesetzt. Da die empfohlenen Zeitpunkte für beide Impfungen inzwischen auseinanderfallen können, ist derselbe Termin aber nicht immer der sinnvollste. Das klärt Ihre Arztpraxis mit Ihnen.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?

Für die von der STIKO empfohlenen Gruppen übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten der Grippeimpfung. Wer nicht dazugehört, fragt am besten direkt bei seiner Krankenkasse nach, denn manche Kassen bieten die Impfung darüber hinaus als zusätzliche Leistung an. Bei beruflich begründeten Impfungen trägt in der Regel der Arbeitgeber die Kosten.

Ich hatte schon einmal eine Grippe. Muss ich mich trotzdem impfen lassen?

Eine durchgemachte Influenza schützt im Wesentlichen nur gegen den Virusstamm, der sie ausgelöst hat. Die Impfung richtet sich gegen die Varianten, die für die kommende Saison erwartet werden.

Quellen

  1. Robert Koch-Institut: Schutzimpfung gegen Influenza: Impfempfehlung Abgerufen am 22. September 2026.
  2. Robert Koch-Institut: Schutzimpfung gegen Influenza: Indikationsgruppen Abgerufen am 22. September 2026.
  3. Robert Koch-Institut: Schutzimpfung gegen Influenza: Hochdosis- und MF-59-adjuvantierter Impfstoff Abgerufen am 22. September 2026.
  4. Ständige Impfkommission beim Robert Koch-Institut: Stellungnahme der STIKO zur Bedeutung der Influenza-Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung Abgerufen am 22. September 2026.
  5. Paul-Ehrlich-Institut: Influenza-Impfstoffe: Stammanpassung abgeschlossen und erste Impfstoffchargen freigegeben Abgerufen am 22. September 2026.

Zuletzt fachlich geprüft am 24. September 2026 von Dennis Witt, Apotheker.

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